Die Frau möchte, dass ich faste. Ich habe noch nie gefastet. Ich finde auch, dass ich nicht fasten muss. Unsere Waage hat mir noch nie mehr als 76 kg angezeigt. Das ist zwar mehr als ein Kaiserpinguin wiegt, aber bedeutend weniger als z.B. ein Blauwal. Es ist in etwa so viel wie auch ein kleiner, sportlicher Pandabär auf die Waage bringt.

Ich bin kein Adonis, aber gegen Reiner Calmund steig ich trotzdem ganz gut aus. Die liebe Frau sieht das anders. Obwohl selbst durchtrainiert und topfit hat sie beschlossen 10 Tage zu fasten. Entschlacken und entgiften ist die Devise. Und ich, als braver Mann, muss mitmachen.

10 Tage lang kein Kaffee, kein Alkohol, kein Fleisch, keine tierischen Produkte, kein Zucker, kein Gluten

Fastentrainerin Tabitha ist rank und schlank und ernährt sich bestimmt seit ihrer Geburt nur von Grünzeug. Sie begleitet uns durch die nächsten 10 Tage und kann auch streng sein: „Kein Kaffee, kein Alkohol, kein Fleisch, keine tierischen Produkte, kein Zucker, kein Gluten – das heißt auch Brot und Nudeln sind verboten“. Leichter wäre es die Dinge aufzuzählen, die erlaubt sind. Auch als sie uns zu täglichen Einläufen, Abführmittel und Leberwickel verpflichtet, mache ich keinen Rückzieher. „Wir schicken den Darm auf Urlaub, der soll nix mehr zu tun haben, nur so kann der Entgiftungsprozess in Gang gesetzt werden“, erklärt Tabitha. Ich finde das gut, Urlaub ist immer schön. Dieser Urlaub ist allerdings anders. Und wenn ich sage anders, meine ich nicht unbedingt gut anders. Eher durchwachsen, maximal mittelmäßig. Die Höhepunkte sind bescheiden:

Zutaten für das basische Fasten
Chia-Samen, Reismilch, Hirse etc. – Lebensmittel für Sieger
Tag 3

Entzugserscheinungen setzen ein. Habe Rücken. Im Nierenbereich pulsiert und wummert ein dumpfer Schmerz. Die Unpässlichkeit kommt definitiv nicht vom zu vielen Sonnenliegen. Der Körper verlangt nach Zucker, den ich sonst in rauen Mengen in mich reinschaufle.

Tag 4

Bin so energiegeladen wie eine Anaconda, die gerade eine Ziege verschlungen hat. Bewegen geht nur langsam. Das ist auch gut so. Eile bringt niemanden etwas. Die Schmerzen im Rückenbereich verstärken sich.

Tag 5

Ich träume von einem Haus aus Kuchen. Fensterläden aus Schokolade, im Garten wächst Zuckerwatte und im kleinen Teich neben der Waffelveranda ist kein Wasser, sondern Schokopudding. Als ich ein Stück vom Schokofenster abbreche und hineinbeißen will, verwandelt es sich in eine Kohlrabistange. Beim Sprung in den Puddingteich lande ich in stinkendem Hirseschleim.

Tag 6

Die Schmerzen sind aus dem Nierenbereich in Richtung Schultern und Oberschenkel gewandert. Schon seit einer Woche liegt mein Lauftraining auf Eis. Sport ist undenkbar. Ich bewege mich wie Opa nach seiner Hüftoperation.

Tag 8

Die Schmerzen klingen ab, langsam kommen die Lebensgeister wieder. Ich war sogar Laufen und hab mich einer älteren Dame mit Nordic-Walking-Stöcken an die Fersen geheftet. Beschauliches Tempo, im Urlaub soll man sich ja nicht überanstrengen.

Tag 10

Der letzte Fastentag. Ich fröne dem Exzess und mache mich heimlich über ein Stück Brot her. Ganz benebelt vom Weizen, verschlinge ich abends in meiner Maßlosigkeit auch noch eine Portion Nudeln! Und morgen trink ich ein Bier! Schoko lass ich noch weg.

Nachbetrachtung

Ich habe meinen Zuckerkonsum auch zwei Monate nach der Fastentortur noch immer stark eingeschränkt, komme auf maximal 30 Gramm Zucker am Tag. Das Bedürfnis nach Schokolade und Co. ist weg, ich bin ausgeglichener und fitter und komme in der Früh leichter aus den Federn. Die Frau darf das aber nicht wissen, weil das Osterfasten von SuperActive.at mit Tabitha steht kurz bevor und ich finde mein Darm braucht grad keinen Urlaub mehr.

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