Tochter L. wird 9 Jahre alt. Für ihre Party hat sie konkrete Wünsche, die Erwartungen sind hoch. Mindestens „legendär“, soll sie werden und auf jeden Fall „ein absoluter Abriss“, wie sie es nennt. Um diesen Erwartungen gerecht zu werden, müssen Planungen getroffen werden und Fragen geklärt werden.

1. Wo soll der „Abriss“ steigen?

Kindergeburtstag - Festtafel
Die Festtafel am Eggerhof Leben im Rosental

Die letzte Geburtstagsparty in unserem Hause fand nicht in unserem Hause statt, sondern auswärts, nämlich am Eggerhof Leben im Rosental. Hofbesitzerin Pia hat ein Herz für Kinder und Tiere und kümmerte sich um die kleinen Geburtstagsgäste. Mit viel Liebe bereitete sie in einem alten Heustadl eine große Tafel mit allerlei Leckereien. Rundherum gab es ganz nach Kinderwunsch Pferde, Katzen, Hühner, Hasen und dazu viel Platz zum Toben und Spielen – kurz: es war legendär! Dieses Jahr ist der Eggerhof leider ausgebucht und wir müssen die Party zuhause schmeißen.

2. Wer wird eingeladen?

Tochter L. würde gerne ALLE einladen. „Alle können wir nicht einladen“, sagt die Mama, „wir sind ja nicht am Begräbnis von der Queen“. Nach zähen Verhandlungen einigen wir uns auf ein Maximum von 10 Freunden. Erfahrungsgemäß ist das Anzahl an partywütigen Kindern, die wir noch handeln können. Sind es mehr, entgleitet schnell die Kontrolle und die netten Mädchen und Buben verwandeln sich in unzivilisierte Monster.

Wie im „Herr der Fliegen“ reißen sie sich dann ihre Kleider vom Leib, verwüsten die Wohnung, rotzen auf den Teppich, klingeln die Nachbarn heraus und mampfen meine Rum-Kokoskugeln, woraufhin sie vollends der Barberei verfallen und sich aus dem Fenster abseilen, Wasserbomben durch offene Nachbarsfenster schießen, die Wände mit Buntstiften verzieren und Ketchup in den Seifenspender füllen. Kein Scherz, so was passiert andauernd. Überall auf der Welt bleiben auf Partys dicke Buben mit ihrem Kopf zwischen den Zaunstreben stecken, kleine Mädchen essen Regenwürmer um ihren Mut zu beweisen und ein paar ganz Schlaue schneiden sich heimlich in der Gartenlaube mit der rostigen Heckenschere die Haare ab. Nein, das wollen wir alles nicht! Deshalb ist bei 10 Kindern Schluss!

3. Was gibt’s zum Essen?

Obstspieße
Gewinnen keinen Beliebtheitswettbewerb: Obstspieße

Gutes Essen und gesunde Nahrung sind mir ein Anliegen. Darum schlage ich anlassgemäß Feinheiten aus der Haute Cuisine vor. Bries oder Escargoles mit sanft gedämpftem Wurzelgemüse und Wildreis aus der Provence wäre das was mir so vorschwebt. Die Tochter will davon aber nix wissen, sie will Baumkuchen und Waffeln. Ich hasse Waffeln, sie schmecken nach Pappkarton und Zucker, legen sich direkt auf die Hüften und lösen in sekundenschnelle Diabetes aus.

Ich hab noch nie Waffeln gemacht und hab’s auch nicht vor. Also muss die Mama ran, die kann das besser. Mama macht Pizza als Hauptspeise, dann Baumkuchen und Waffeln mit Eis und Schokolade. Alibihalber drapiert sie daneben noch ein paar Obstspieße, die am Ende der Party bräunlich vor sich hin safteln und massenweise Fruchtfliegen anlocken, die über der Anrichte wie Parkinsonkranke im Kreis fliegen.

4. Was wird geboten?

Airtrack
Die Airtrack, eines der Highlights auf der Party

Jungs sind einfach: Man werfe einen ballähnliches Spielgerät in die Bubenmeute und der Partyerfolg ist garantiert. Mädchen sind nicht so simpel gestrickt. Tochter L. wünscht sich vor allem Tiere unter ihren Partygästen. Pferde, Schweine, Hühner – ein ganzer Bauernhof soll es sein. „Tiere gibt es am Eggerhof“, verkünde ich, „bei uns aber herrscht Zucht und Ordnung! Für Pferde ist in unserer Wohnung kein Platz und Schweine sind wir schon genug!“. Die Mama rettet die angespannte Situation und organisiert in Windeseile einen kompletten Sportparcours im Garten. Airtrack, Slackline, Trampolin, Sackhüpfen, Frisbee, Topfschlagen und gemeinschaftliche Betätigungen wie Blinde Kuh, versteinerte Hexe und eine Schatzsuche machen die Party zum Erfolg.

5. Soll ich die Eltern auch einladen?

Nein. Nur Masochisten laden zum Kindergeburtstag auch Eltern ein. Wer will schon während der Kinderbändigung auch noch Kaffee kochen, Kuchen auftischen und Small Talk führen? Ich nicht. Small Talk kann nämlich schwere Depressionen auslösen. Also verweigere ich ihn. Ich stehe dann etwas abseits und weiche möglichst jedem Blickkontakt aus um nicht in unangenehme Gespräche verwickelt zu werden.

Während ich also Löcher in die Luft starre, schießt ein Elternteil auf mich zu. „Diese Waffeln! Faaantastisch! Wie haben Sie den Teig bloß so lecker pappkartonartig hinbekommen?“ oder „Hach, die Jacqueline, meine Tochter! Hat heute auf den Sachunterrichtstest schon wieder einen Einser bekommen. Sie ist ja so gescheit.“ oder, der Klassiker, „Schönes Wetter heute, oder?“.

„Waffeln sind eine Geisel der Menschheit“, „Gratuliere, die Jaqueline wird bestimmt mal ganz groß in Stadt, Land, Fluß“, und „Es gibt ja auch kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“, möchte ich antworten, mach ich aber nicht, weil ich die Bande gar nicht erst einlade.

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